Wir haben einen Podast. Woher? Wohin? Lernen neu denken ist ab sofort auf allen Plattformen verfügbar, wo es Podcsasts gibt.
Karin Kaffke-Rusche über die Beweggründe für diese Unternehmung:
Die freie Ratlosigkeit – Woher, Wohin
Dieses Projekt beginnt nicht mit einer These. Es beginnt mit einer Lücke.
Mit dem Gefühl, dass vieles gesagt wird und dennoch etwas fehlt. Dass wir uns orientieren sollen, obwohl die Koordinaten unklar geworden sind. Dass wir Antworten wiederholen, während die Fragen leiser, tiefer und unbequemer werden. Die freie Ratlosigkeit nimmt diese Lücke ernst – nicht als Defizit, sondern als Ausgangspunkt.
Ratlosigkeit wird meist als etwas betrachtet, das überwunden werden muss. Als Übergangszustand auf dem Weg zur Klarheit. Doch was, wenn es Situationen gibt, in denen Klarheit selbst verdächtig wird? In denen vorschnelle Gewissheit mehr verdeckt als erklärt? Dieses Projekt versteht Ratlosigkeit nicht als Schwäche, sondern als Möglichkeit: als einen offenen Raum des Denkens, in dem noch nicht entschieden ist, was zählt und was nicht.
Die Fragen Woher und Wohin stehen dabei bewusst ohne Antworten am Anfang. Woher meint mehr als Herkunft oder Vergangenheit. Es meint die stillen Voraussetzungen unseres Denkens: die Begriffe, mit denen wir aufgewachsen sind, die Narrative, die uns geprägt haben, die Sicherheiten, die wir selten hinterfragen. Wohin meint keine Zielbeschreibung. Es meint Richtungssuche in einer Gegenwart, die schneller ist als unser Verstehen.
Zwischen Woher und Wohin liegt das, was dieses Projekt erkundet: ein Denken ohne Geländer. Ein Sprechen, das nicht überzeugen will. Ein Fragen, das nicht sofort auf Verwertbarkeit zielt. Die freie Ratlosigkeit erlaubt sich, unsicher zu bleiben, wo Eindeutigkeit zu billig wäre, und offen zu sprechen, wo Schweigen zur Gewohnheit geworden ist.
Dieses Vorwort ist keine Anleitung zum Lesen und kein Versprechen auf Ergebnisse. Es ist eine Einladung. An Leser:innen, Zuhörer:innen, Mitdenkende, sich auf einen Prozess einzulassen, der nicht auf Einordnung aus ist, sondern auf Aufmerksamkeit. Auf das, was auftaucht, wenn man nicht sofort weiß, was man davon halten soll. Vielleicht entsteht daraus keine neue Gewissheit.
Vielleicht aber etwas anderes: eine Haltung gegenüber der eigenen Unsicherheit. Eine Geduld mit offenen Fragen. Ein gemeinsames Nachdenken, das nicht darauf zielt, Recht zu behalten, sondern wach zu bleiben.
Die freie Ratlosigkeit – Woher, Wohin ist der Versuch, diesen Raum zu öffnen – und ihn nicht vorschnell wieder zu schließen.

